Lippische Wochenschau: Zähneknirschen über den abgespeckten Winterdienst Drucken
Donnerstag, 4. Februar 2010

Lemgos Bürger geraten auf Glatteis

Lemgo (ti). „Wer sich umhört und mit seinen Mitbürgern spricht, hört, dass die Lemgoer den abgespeckten Winterdienst gar nicht oder nur zähneknirschend akzeptieren“, berichtet Ulrich Schraer, sachkundiger Bürger Betriebsausschuss der Bürger für Lemgo (BfL).

Glatteis - Lippische Wochenschau

Wer dies anzweifelt, hatte am Samstag die beste Möglichkeit sich selbst ein Bild zu machen. Da eierten Lemgos Bürger über die vereiste Mittelstraße und etliche äußerten laut ihren Unmut. Der abgespeckte Winterdienst ist ein Fiasko, so das Fazit. Besonders erbost sind auch die Anwohner von ungeräumten Straßen, denen die Mülleimer nicht geleert wurden, weil Tönsmeier Anwohner und seine LKW’s nicht gefährden will. „Wer hat schon gern einen Müllwagen im Vorgarten oder möchte darunter geraten?“, fragt Ulrich Schraer.

Pressesprecher Boris Ziegler von der Firma Tönsmeier bestätigt auf Nachfrage, dass es zu mitunter regelrecht massiven Beschwerden von Anwohnern gekommen sei: „Dieser Winter bringt viele Probleme mit sich“, so Ziegler, „nicht nur die vereisten und für 26 Tonnen schwere Fahrzeuge unpassierbaren Straßen, auch die aufgetürmten Schneemassen machen die Fahrbahnen zu schmal für die Müllwagen“. Dabei brennt ihm eine Tatsache besonders auf der Seele: „Die Mitarbeiter sind erfahrene Fahrer und wenn sie entscheiden, eine Straße nicht zu befahren, dann geschieht dies immer aus einem Sicherheitskalkül heraus, sowohl für die Fahrzeuge, wie auch für die Anwohner.“ Ein weiteres Problem sei, selbst wenn der Fahrer entscheidet, einen Berg hinauf zu fahren um auch dort die Mülltonnen zu leeren, die Müllwagen müssen an jedem Haus anhalten und jeder Autofahrer weiß, was passiert, wenn man mitten in der Ansteigung eines schneeglatten oder gar vereisten Berges anhalten muss: da kommen auch 26 Tonnen nicht mehr an den Start. Im Gegenteil, hier besteht eher die Gefahr, dass 26 Tonnen den Hang unkontrolliert wieder hinab rutschen. Nicht unerwähnt bleiben sollte, so Ziegler, dass es auch viele lobende Anrufe für die pragmatischen und schnellen Lösungen gab, die Tönsmeier ebenfalls anbieten konnte.
Auch Karoline Sollgan (47) fand in ihrem Zorn über den abgespeckten Winterdienst den Weg in die Redaktion, um sich einmal gründlich Luft zu machen: „Alle regen sich untereinander auf und halten trotzdem ihre Klappe. Doch die Wahrheit ist, dass viele Bürgerinnen und Bürger denken wie ich!“ Sie fährt fort: „Die Stadt lässt uns Bürger im Stich, wir müssen immer nur zahlen, zahlen, zahlen, aber von der Stadt kommt nix.“ Sie betont im weiteren Gespräch die unerträglichen und katastrophalen Zustände mangels Straßenräumung. In ländlicheren Regionen, so Karoline Sollgan, wie beispielsweise Leese, sei die Situation noch unerträglicher.
„Im Kalletal zum Beispiel wird wunderbar geschoben!“, lobt Ulrich Schraer, und auch in Paderborn sähe es aus wie „geleckt“. Friedrich-Wilhem (Friedhelm) Freitag, sachkundiger Bürger für den Ortsausschuss Lieme (BfL) kann sich die Ironie nicht verkneifen: „Die freie (!) Wallfahrt ist völlig vereist!“
Selbst genügsame Bürger, die brav ihren Räumpflichten nachkommen, sind mittlerweile bedient, berichten die Bürger für Lemgo im Gespräch mit der Wochenschau: „Haben sie den Bürgersteig mühsam freigeschaufelt, kommt nach Wochen endlich ein Räumfahrzeug vorbei und schwupps landet der Schnee von der Fahrbahn auf die gerade geräumten Bürgersteige...“
Wie konnte es überhaupt zur Einführung dieses Winterdienst-Fiaskos kommen? „Der Rat hat zugestimmt, weil er in einer Zwangslage war“, erklärt Ulrich Schraer, „Viel Zeit zur Beratung war zwischen Wahl und Beschluss nicht geblieben und die Verwaltung hat den abgespeckten Winterdienst zwischen Gebühren- beziehungsweise Grundsteuererhöhung verpackt. Sie lässt den Rat entscheiden und ist aus dem Schneider. Geschickt, oder?“ Eines ist für die BfL Lemgo jedoch sicher: Die Einsparungen durch den abgespeckten Winterdienst und auch durch die ausgeknipsten Laternen sind lächerlich“. So müsse man sich wenigstens keine Gedanken machen, wo sinnvollere Ausgabenminderungen möglich seien, so Schraer abschließend.
©  Lippische Wochenschau vom 04.02.2010 
 
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