Leserbrief zur Einführung der kaufmännischen Buchführung in Lemgo
Mittwoch, 15. August 2007
"Die reichen Lemgoer oder wie aus Verlierern Gewinner
werden wollen"
Da
staunt der Laie und der Fachmann wundert sich! Was ist geschehen? Da haben es
die verantwortlichen Parteien in Lemgo zusammen mit dem Bürgermeister
geschafft, innerhalb von 6 Jahren die Schulden in Lemgo von ca. 35 Mio. EUR auf
über 100 Mio. EUR zu erhöhen. Eine stramme Leistung, die von hoher
Verantwortlichkeit für Lemgo, die Bürger von Lemgo und insbesondere für die
nächsten Generationen geprägt ist.
Über
100 Mio. EUR Schulden, aber die Rettung naht, wie uns die Verwaltungsspitze
mitteilt (siehe LZ-Bericht vom 11.08.07). Nach der Umstellung der
Buchführungssystematik stellen Bürgermeister und Beigeordneter (beide CDU)
fest, dass diesem horrenden Schuldenberg 350 Mio. EUR Vermögen
gegenüber stehen, was einer Eigenkapitalquote von 70% entspräche. Wer hat das
schon, wird dann auch noch süffisant gefragt? Und: Die Stadt sei gesünder, als
bisher angenommen und die Gesamtsituation sei besser, als viele vermuten, wird
der Bürgermeister zitiert.
Kaufmännische
Buchführung heißt das Zauberwort. Doch diese ist keine geniale Errungenschaft
von Bürgermeister Austermann oder vom Beigeordneten Tolkemitt – nein, Lemgo
ist eine der letzten Kommunen, die auf dieses Buchführungsinstrument umstellt.
Grundsätzlich
ist es sicher positiv zu bewerten, dass auch die Stadtverwaltung nach
betriebswirtschaftlichen Grundsätzen arbeiten will, um auf dieser Grundlage in
vielfältiger Hinsicht Entscheidungen sachgerechter treffen zu können.
Nur
für wie dumm wollen die Verantwortlichen der Stadt die Lemgoer Bürger
eigentlich verkaufen? Wollen sie uns sagen, dass es den Bürgern und künftigen
Generationen durch diese Sandkasten-Rechenspiele gut geht, dass sie sich keine
Sorgen um die Zukunft und die Handlungsfähigkeit der Stadt Lemgo machen müssen?
Wenn das so ist, haben wir einen Vorschlag: Bevor auch noch die angeblich als
Haben zur Verfügung stehenden 250 Mio. EUR verschleudert werden, verteilt diese
Summe doch direkt an die Lemgoer Bürger. Jeder würde sich freuen, wenn dieser
Betrag anteilmäßig auf seinem Konto ankommt. Da eine kaufmännische Buchführung
im Wesentlichen auf das Ziel Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, wird dies zwangsläufig
zu Gebührenerhöhungen führen und vielleicht können diese so beglichen werden.
Aber
zurück zur grausamen Wahrheit: Trotz aller Darstellungstricks und
Selbstbeweihräucherung hat die Stadt Lemgo weiterhin über 100 Mio. EUR Schulden
und steht weiter in der Haushaltssicherung. Verantwortlich dafür sind
insbesondere die CDU sowie der kleine Koalitionspartner, die GRÜNEN. Das wissen
die Lemgoer und sie wissen auch: Nur durch Darstellungstricks werden aus
Verlierern keine Gewinner.