Lippische Landeszeitung: 2009 in den Rat Drucken

DAS INTERVIEW mit Wolfgang Sieweke, Mitinitiator bei „Bürger für Lemgo"

Lemgo (ax). Ab Donnerstag soll es in Lemgo eine neue Kraft auf der politischen Bühne geben. Unter dem Namen „Bürger für Lemgo" wird sich in der Braker Schlossscheune eine Wählergemeinschaft gründen (20 Uhr). Eine Handvoll Initiatoren steht bereits fest: Thomas Dupree, Jörg List, Rudolf Hille, Bernd von Nordheim und Wolfgang Sieweke. Die LZ sprach im Vorfeld mit Sieweke über die „BfL".
Nun wird auch Lemgo eine Wählergemeinschaft bekommen. Aus Frust? Oder einfach, weil sich Lerngoer gefunden haben, die Spaß an Politik haben?
Sieweke: Der Frust über das Vorgehen der politisch Verantwortlichen bei der Nachfolgeregelung für den Kämmererposten in der Stadtverwaltung sowie der Ausschreibung und Besetzung der Beigeordnetenstellen war ursächlich für die Gründung der „BfL". Hinzu kommt die Arroganz der Politik im Umgang mit Bürgeranliegen. Wenn sich die Politik vom Bürger enternt, müssen wir eben selbst Verantwortung übernehmen.
Können Sie o derzeit einen großen Unterschied zwischen der politischen  Ausrichtung von CDU, SPD, FDP und Grünen in Lemgo erkennen?
Sieweke: Die CDU lässt kein ei-,genes Profil erkennen und muss sich zwangsläufig nach der Fahne ihres neuen „grünen" Koalitionspartners richten. Die Grünen waren mal links und hatten lange Zeit mit der konservativen CDU „nichts am Hut". Der SPD bleibt nichts anderes übrig, als sich das Schauspiel anzusehen und Oppositionspolitik zu machen. Die FDP sitzt „ausgebootet" in der Ecke und schmollt.
Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach der Bürgermeister uf der politischen Bühne? Erkennen Sie ein Konzept für die
Entwicklung der Stadt?
Sieweke: Wer Angst hat vor einem der SPD nahe stehenden Kämmerer und deshalb den    ganzen „Beigeordnetenklüngel"
mit heraufbeschwört, bei dem muss man zweifeln, ob er dringende Probleme wie Haushaltssanierung oder Stadtentwicklung in den Griff bekommt. Im Vergleich zu anderen lippischen Städten, insbesondere Detmold und Bad Salzuflen, hat Lemgo in den vergangenen Jahren klar an Boden verloren. Diesen Städten ist es deutlich besser gelungen, eine positive Entwicklung zu gestalten, das zeigt sich zum Beispiel in dem Bereich Touristik und Gastronomie sowie in dem ganzen Komplex Wirtschaft. In Lemgo ist dagegen ein „Museumscharakter" entstanden. Gäbe es die Sportvereine wie den TBV und TV Lemgo oder die Liemer unstradfahrer nicht, wäre Lemgo außerhalb von Lippe kaum bekannt.
Welche Hoffnung verbinden o Sie und Ihre Mitstreiter mit der Gründung der BfL?
Werden Sie zur Kommunalwahl antreten? Mit welchen drei wichtigen Zielen? Wieviel Prozent sind drin?
Sieweke: Wir gründen uns, um Verantwortung zu übernehmen! Unser Ziel als „BfL" ist ein erfolgreicher Kommunalwahlkampf 2009 mit so vielen Ratsmandaten, dass wir als politischer Faktor ernst genommen werden müssen. Dabei stützen wir uns auf viele Aussagen Lemgoer Bürger in persönlichen Gesprächen sowie die große und Mut machende Reaktion auf die Ankündigung der Gründung. Bis zu den Kommunalwahlen werden wir uns als „außerparlamentarische Opposition" einbringen. Wichtigstes Ziel für uns wird es sein, ein offenes Ohr für die Ideen und die Sorgen der Lemgoer Bürger zu haben, die Parteienarroganz zu beenden und Geldverschwendung zu Lasten von Lemgo und den Bürgern zu verhindern.
Was muss sich in jedem Fall in o der Politik ändern?
Sieweke: Die gewählten Bürgervertreter müssen mit einer transparenten und sachbezogenen Politik wieder glaubwürdig die Interessen der Bürgerinnen und Bürger Lemgos vertreten und dabei eigene Interessen deutlich in den Hintergrund rücken.
 
©  Lippische Landeszeitung vom 20.03.2007
 
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