Leserbrief "Ausschreibung einer Beigeordnetenstelle der Stadt Lemgo"
Samstag, 9. September 2006
Betr. LZ vom 2./3. September
Zur Auseinandersetzung um die
Beigeordnetenstelle in Lemgo ist bereits viel gesagt und geschrieben
worden. In der Samstag-Ausgabe der LZ vom 2./3. September konnte man
die Öffentliche Ausschreibung nachlesen. Mit Erstaunen und
Verwunderung habe ich zur Kenntnis genommen, dass die/der
Beigeordnete verantwortlich sein soll für den Geschäftsbereich
Jugend, Bildung, Soziales. Habe ich da richtig gelesen? Jugend,
Bildung,….! Und für die Betreuung der Kindergartenkinder kann
kein Geld locker gemacht werden. Es gibt ein Sprichwort: „Ohne Moos
nichts los“. Wie soll also bei
90 000 000 EURO Schulden und einem
geltenden Haushaltssicherungsgesetz ausgerechnet in diesen Bereichen
jemand innovativ tätig werden? Aber vielleicht ist die gesuchte
Person ja so qualifiziert und so kreativ, dass sie auch
kostenneutrale Lösungen findet!
In der Ausschreibung werden nun die
Vorzüge der Hansestadt Lemgo angepriesen, über erwartete
Qualifikationen potentieller Bewerber ist nichts zu erfahren. Ein
Schelm, der Böses dabei denkt!
Erst im Internet erhält man
dann folgende Informationen: Engagiert, entscheidungsfreudig und
teamfähig muss die Bewerberin sein. Eigeninitiative,
Verhandlungsgeschick und ein offener und kooperativer Führungsstil
wird vorausgesetzt. In derselben Samstagausgabe der LZ sucht die
Stadt Detmold einen Landschaftsgärtner und erwartet von ihm:
Zuverlässigkeit und Flexibilität; selbstständiges,
eigenverantwortliches und betriebswirtschaftliches Denken;
Organisationstalent; Belastbarkeit und Teamfähigkeit. Vergleicht
man beide Ausschreibungen findet man keine gravierenden
Unterschiede. Und doch gilt es festzustellen: Die
Beigeordnetenstelle ist für 8 Jahre ausgeschrieben und die
Besoldung erfolgt nach A 16, d.h. ca. 5000 EURO im Monat – der
Landschaftsgärtner erhält für seine bis zum 08.06.2008
befristete Stelle ca. 1764 EURO Grundgehalt (Stufe
6/Tariföffentlicher Dienst).
Und warum soll die Kandidatin „über
Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit kommunalpolitischen Gremien“
verfügen? Es handelt sich hier wohl um ein wichtiges
Qualifikationsmerkmal , denn dieser Passus wird an anderer Stelle
etwas umformuliert noch ein weiteres Mal angeführt:“ Eine
vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den kommunalpolitischen Gremien
wird vorausgesetzt“. Dies kann einem schon die Zornesröte ins
Gesicht treiben. Will man eine qualifizierte Führungskraft oder
will man eine politische Ja-Sagerin?
Bei diesem Ausschreibungstext
klingen die Erklärungen des CDU-Fraktionschefs Manfred Morjeu
„Wir werden sämtliche Bewerbungen sichten und dann einen
Vorschlag machen“ wie Hohn. So blöd sind wir Bürger
nicht, dass wir nicht merken, wenn man uns veräppeln will. Hier
sollen der eigenen Partei wohlgesonnene Mitstreiter hochdotierte
Posten bekommen. Dieses Ziel – parteitaktisch wohl nachvollziehbar
– wird nun „auf Teufel komm raus“mit allen Mitteln verfolgt.
Dieses selbstherrliche Handeln ist nur zu verstehen, wenn man es
unter der Rubrik „Parteipolitische Machtkämpfe“ ansiedelt.
So verspielen die Politiker das Vertrauen der Bürger immer mehr.
Seit letztem Sonntag jedenfalls sammele ich Unterschriften für
das hoffentlich erfolgreiche Bürgerbegehren!