Lippische Landeszeitung: Frust am „Flussrottenweg"
Anwohner kämpfen immer wieder mit Wassermassen
Lemgo (te). Der Name sagt es schon, am Flachsrottenweg war immer schon Wasser ein Thema. Die Anlieger
haben davon allerdings inzwischen die Nase voll. Vor allem, weil etliche schon die Keller voll hatten,
beziehungsweise auf der überfluteten Straße standen. Immer wieder verwandelt sich der Flachsrottenweg
in einen Flussrottenweg.
Wenn es wolkenbruchartig regnet, so beschreibt Anwohner Rolf Depping, drücke das Wasser aus den
Kanaleinläufen nach oben und überflute die Straße. Über das Erdreich drücke es dann durch die Mauern in
die Kellerräume.
Vor neun Jahren war bei den Deppings erstmalig „Land unter". Zuletzt stand das Wasser an Pfingsten
dieses Jahres – freitags gleich zwei Mal und einmal am Pfingstsonntag – vor der Tür. Quell des Übels
ist für Rolf Depping vor allem Niederschlagswasser von den angrenzenden Feldern. Es ergießt sich in
Richtung Straße und treffe dort auf einen zu kleinen Kanal. An den seien im Laufe der Zeit immer mehr
neu gebaute Häuser angeschlossen worden, obwohl er nicht dafür ausgelegt sei.
Darin sieht die Wählergemeinschaft „Bürger für Lemgo" (BfL), die zur nächsten Wahl antreten will, einen
Fehler der Stadtverwaltung. Die Stadt, so argumentiert Wolfgang Sieweke von den „Bürgern für Lemgo",
hätte schon vor 15 Jahren keine weiteren Bauten anschließen und damit überhaupt zulassen dürfen. Nun
müsse sie für diesen Fehler gerade stehen.
Die Wählergemeinschaft hat deshalb jetzt einen Bürgerantrag gestellt, in dem sie eine Anregung der
Anlieger aufgreift. Die schlagen vor, in Höhe der „Chemnitzer Straße" einen Damm am Feldrand zu ziehen
und so auf relativ einfache Art ein Auffangbecken zu schaffen. „Das würde verhindern, dass die Felder
wegfließen und gleichzeitig das Wasser aus den Kellern und der Kläranlage halten", sagt Wolfgang
Sieweke.
Das sei Sache des Landwirts, entgegnet Tiefbauamtsleiter Werner Kloppmann. Die Stadt habe keine
Handhabe, privaten Flächeneigentümern so etwas vorzuschreiben. Indes versuche man, beim Straßenausbau
im Rahmen des möglichen Vorkehrungen gegen Überflutungen zu treffen. Denn Fluten von Hängen sind in
Lemgo wahrlich ein bekanntes Problem. Die Starkregen nähmen bedingt durchdie Klimaveränderung zu, eine
intensive Beackerung der Felder verstärke die Folgen, heißt es in einem Schreiben der Behörde an die
Anlieger. Die Stadt habe darauf aber keinen unmittelbaren Einfluss.
Der Kanal am Flachsrotten-weg sei nicht zu klein dimensioniert, widerspricht Kloppmann den Anwohnern.
Außerdem müsse jeder Hausbesitzer sich selbst um einen Rückstauverschluss kümmern und sei auch
verpflichtet, seine Anschlüsse in Ordnung zu halten. Denn in defekten Abflussrohren oder falsch
montierten Rückstauventilen vermutet er die Ursachen für in die Keller oder durch Bodenplatten
drückendes Wasser.
2010 soll der untere Flachsrottenweg voraussichtlich ausgebaut werden. Aber auch ein neuer Kanal werde
nach den Regeln der Technik nicht auf große Unwetter ausgelegt, heißt es in dem Schreiben der Stadt.
Rolf Depping: „Das heißt, es wird sich nichts ändern. Das kann ich nicht nachvollziehen."