„Integration im Doppelpack“ - Die Schlechteste aller Lösungen
Sonntag, 2. Dezember 2007
Wie die LZ berichtet hat, soll ab
dem Schuljahr 2008/09 die Heinrich-Drake-Hauptschule den gemeinsamen
Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern aufnehmen,
ein Jahr später die Realschule. Dieses zwei-stufige Konzept will
die schwarz-grüne „Koalition“ am 10.12.2007 politisch
durchsetzen.
Der von Eltern eingeschaltete
Petitionsausschuss, der auf einer Regelung bis zum Beginn des
nächsten Schuljahres im August 2008 besteht, bringt dabei aber
auch ausdrücklich den Kreis Lippe mit ins Gespräch als
Träger der Kreisgesamtschule. Schulische Integration behinderter
Kinder sollte zumindest in den ersten Jahren „in einer Hand“
liegen. Es gibt gute Gründe, warum bisher landesweit
Integrationsklassen an Gesamtschulen eingerichtet worden sind. Die
Grundvoraussetzungen und später dann auch die Kontinuität
für ein Gelingen der Integration sind hier wohl am ehesten
gegeben Deshalb hätten konstruktive Gespräche mit der
Gesamtschule gesucht werden müssen, ob an dieser Schule nicht
eine solche Klasse eingerichtet werden kann. Es reicht nicht aus,
einfach nur mit dem Kreis oder der Schulleitung zu sprechen. Es hätte
„Überzeugungsarbeit“ geleistet werden müssen – und
die muss bei den Lehrerinnen und Lehrern beginnen.
Ist z.B. die Stadt
Lemgo auf das Angebot der Bezirksregierung eingegangen,
Informationsveranstaltungen mit den zur Disposition stehenden Schulen
durchzuführen, um dort die Konzepte erfolgreich arbeitender
Schulen vorzustellen. Vielleicht wären dann auch von der
Bezirksregierung Signale erfolgt, dass die Rahmenbedingungen wie
kleinere Klasse oder Doppelbesetzung im Unterricht auch erfüllt
würden. Die Gesamtschule verfügt über einen weiteren
Pluspunkt – der Ganztagsbetreuung. Besonders die Ganztagsschule hat
sich die individuelle Betreuung auf ihre Fahnen geschrieben. Im
Ganztag bleibt mehr Zeit, um Lernstoff zu vertiefen und soziale
Kontakte zu pflegen.
Die Hauptschule will die
„Integrativklasse“ nicht, die Realschule schon gar nicht. Und vom
„Schulzentrum Heldmannskamp“ ein „gemeinsames“ Konzept bzgl.
Integrationsklassen zu erwarten ist auch eher unwahrscheinlich.
Außerdem ist es fatal, die für die Integration
zugewiesenen personellen Ressourcen auf 2 Schulen zu verteilen. Für
den einzelnen Schüler bleibt da nicht mehr viel an zusätzlicher
„Hilfe“.
Meiner Meinung nach sind einfach
nicht alle Mittel und Wege ausgeschöpft worden, um eine
einvernehmliche Lösung zu erzielen, die sicherlich auch eine
bessere Voraussetzung für eine spätere, gut motivierte
Arbeit an der Schule wäre. Zeit wäre noch bis zum
31.03.2008. Und der von Eltern eingeschaltete Petitionsausschuss des
Landtages erwartet einen Zwischenbericht auch erst bis zum
01.03.2008. Der Bürgermeister wird am 10.12.2007 mit seiner
Rathausmehrheit sein Konzept wohl politisch durchsetzen, die Stadt
Lemgo ist dann auch den „schwarzen Peter“ los – die Schule wird
schon ein Konzept finden - aber ob diese Zwangsentscheidung zum Wohle
der Kinder getroffen wurde ist fraglich.
Ich halte die „Integration im
Doppelpack“ für eine „Mogelpackung“. Auf jeden Fall bin
ich jetzt schon gespannt, was nach dem Statement der
Realschulleiterin Frau Webel im Schulausschuss: “Mein Kollegium und
ich sind ausdrücklich gegen diese Zwangsverpflichtung!“ aus
der Äußerung der grünen Fraktionsvorsitzenden Elke
Kuhlmann wird: “Wir wollen es bewusst nicht einer Hauptschule
allein überlassen.“