Leserbriefe

Leserbrief Träume

Betr.: LZ vom 14./15. Oktober 2006 „Er hat das Heft wieder in der Hand“

Träume ……

Ich bin nicht politikverdrossen, ich gehe wählen. Ich nehme jede Chance wahr und demonstriere Volkes Wille. Jedenfalls denke ich, dass ich das mache. Und ich fühle mich wohl dabei. Ich fühle diesen Idealismus in mir, das Verlangen der aktiven Teilnahme an der Gesellschaft, in der ich lebe. Ich gehe gerne wählen, denn ich liebe mein Land. Ich bin Bürger, habe meine Bürgerpflicht erfüllt und träume nun davon, wie jetzt alles noch besser wird in diesem jetzt auch von mir mitgestaltetem Land.

Aber dann holt mich die grausame Wirklichkeit ganz schnell ein. Genau wie 6300 Bürgerinnen und Bürger habe ich das Bürgerbegehren „Ja, keine Beigeordneten-Stellen in Lemgo“ unterschrieben, sogar durch Sammeln von Unterschriften aktiv unterstützt. Ich gehöre jedenfalls nicht zu den Leuten, die laut Bürgermeister Austermann durch seine Zeitungsanzeige verstanden haben, warum die Besetzung zweier neuer Beigeordneten-Positionen im Rathaus notwendig war. Und seine Antwort auf die Frage nach den Profilierungsmöglichkeiten hilft mir da auch nicht weiter. „Es geht um die Weichen für die Zukunft, um eine Sicht von 10 oder 15 Jahren“. Anscheinend geht es also um keine konkreten Aufgabenbereiche sondern nur um „Strategien“. Am 30. Oktober dürften nun CDU und Grüne im Rat ihre Beigeordneten wählen, denn ich teile nicht die Siegeshoffnung der Anti-Beigeordneten-Front. Es ist davon auszugehen, dass das Bürgerbegehren vor Gericht aus formaljuristischen Gründen keinen positiven Rechtsentscheid erhalten wird. Herr Austermann hat dann seinen „Partner“ an seiner Seite.

Nur was passiert, wenn Bürgermeister Austermann und seine Partei CDU 2009 nicht wiedergewählt werden? Vorstellbar ist das doch! Im Umkehrschluss zur Aussage von Herrn Austermann “Ich möchte keinen Kontrolleur sondern einen Partner an meiner Seite“ würde das dann für einen potentiellen SPD-Bürgermeister bedeuten, dass dieser wohl keinen 1. Beigeordneten mit schwarzem Parteibuch an seiner Seite dulden kann. Laut Gemeindeordnung NRW §72(7) könnte dann auf Antrag der SPD und mit der gesetzlich erforderlichen Mehrheit des Rates dieser Beigeordnete wieder abberufen werden. Soll er nun – obwohl für 8 Jahre gewählt- wieder vorzeitig in die „teure Pension“ geschickt werden? Das hatten wir doch schon mal.

In der Beilage einer großen überregionalen Zeitung war vor kurzem eine 10-Punkte umfassende Anleitung zu lesen, wie man es in der Politik zu etwas bringt. Hier die für mich einprägsamsten Punkte; „Politik heißt Kampf“, „Seien Sie biegsam wie eine Kornähre im Frühlingswind“, „Politik ist angewandte Mathematik“. Wenn man diese Anleitung als „Handbuch für erfolgreiche Politiker“ versteht, ist nachvollziehbar, nach welchen Grundsätzen Politik funktioniert und was sich zur Zeit in Lemgo abspielt: Ein „Trauerspiel“, in dem ich mich als Wähler zu einem Komparsen reduziert fühle. Was ist nur aus meinem Traum geworden?!

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Sieweke, 32657 Lemgo, Lütterstraße 7