Leserbriefe

Leserbrief "Ausschreibung einer Beigeordnetenstelle der Stadt Lemgo"

Betr. LZ vom 2./3. September

Zur Auseinandersetzung um die Beigeordnetenstelle in Lemgo ist bereits viel gesagt und geschrieben worden. In der Samstag-Ausgabe der LZ vom 2./3. September konnte man die Öffentliche Ausschreibung nachlesen. Mit Erstaunen und Verwunderung habe ich zur Kenntnis genommen, dass die/der Beigeordnete verantwortlich sein soll für den Geschäftsbereich Jugend, Bildung, Soziales. Habe ich da richtig gelesen? Jugend, Bildung,….! Und für die Betreuung der Kindergartenkinder kann kein Geld locker gemacht werden. Es gibt ein Sprichwort: „Ohne Moos nichts los“. Wie soll also bei

90 000 000 EURO Schulden und einem geltenden Haushaltssicherungsgesetz ausgerechnet in diesen Bereichen jemand innovativ tätig werden? Aber vielleicht ist die gesuchte Person ja so qualifiziert und so kreativ, dass sie auch kostenneutrale Lösungen findet!

In der Ausschreibung werden nun die Vorzüge der Hansestadt Lemgo angepriesen, über erwartete Qualifikationen potentieller Bewerber ist nichts zu erfahren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Erst im Internet erhält man dann folgende Informationen: Engagiert, entscheidungsfreudig und teamfähig muss die Bewerberin sein. Eigeninitiative, Verhandlungsgeschick und ein offener und kooperativer Führungsstil wird vorausgesetzt. In derselben Samstagausgabe der LZ sucht die Stadt Detmold einen Landschaftsgärtner und erwartet von ihm: Zuverlässigkeit und Flexibilität; selbstständiges, eigenverantwortliches und betriebswirtschaftliches Denken; Organisationstalent; Belastbarkeit und Teamfähigkeit. Vergleicht man beide Ausschreibungen findet man keine gravierenden Unterschiede. Und doch gilt es festzustellen: Die Beigeordnetenstelle ist für 8 Jahre ausgeschrieben und die Besoldung erfolgt nach A 16, d.h. ca. 5000 EURO im Monat – der Landschaftsgärtner erhält für seine bis zum 08.06.2008 befristete Stelle ca. 1764 EURO Grundgehalt (Stufe 6/Tariföffentlicher Dienst).

Und warum soll die Kandidatin „über Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit kommunalpolitischen Gremien“ verfügen? Es handelt sich hier wohl um ein wichtiges Qualifikationsmerkmal , denn dieser Passus wird an anderer Stelle etwas umformuliert noch ein weiteres Mal angeführt:“ Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den kommunalpolitischen Gremien wird vorausgesetzt“. Dies kann einem schon die Zornesröte ins Gesicht treiben. Will man eine qualifizierte Führungskraft oder will man eine politische Ja-Sagerin?

Bei diesem Ausschreibungstext klingen die Erklärungen des CDU-Fraktionschefs Manfred Morjeu „Wir werden sämtliche Bewerbungen sichten und dann einen Vorschlag machen“ wie Hohn. So blöd sind wir Bürger nicht, dass wir nicht merken, wenn man uns veräppeln will. Hier sollen der eigenen Partei wohlgesonnene Mitstreiter hochdotierte Posten bekommen. Dieses Ziel – parteitaktisch wohl nachvollziehbar – wird nun „auf Teufel komm raus“mit allen Mitteln verfolgt. Dieses selbstherrliche Handeln ist nur zu verstehen, wenn man es unter der Rubrik „Parteipolitische Machtkämpfe“ ansiedelt. So verspielen die Politiker das Vertrauen der Bürger immer mehr. Seit letztem Sonntag jedenfalls sammele ich Unterschriften für das hoffentlich erfolgreiche Bürgerbegehren!

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Sieweke, 32657 Lemgo, Lütterstraße 7