„Der neue Ratskeller soll im Frühjahr öffnen.“

 

Endlich ist es soweit, der Ratskeller wird wieder verpachtet.  Halleluja, das „Sahnestück“ der  Lemgoer Gastronomiebetriebe wird wieder in Betrieb genommen. 

Obwohl nicht erforderlich, denn die Stadt und die Bürger sind auch ganz gut ohne Ratskeller ausgekommen. Der Ratskeller wird durch die Stadt reanimiert und zwar mit einem Stromstoß von mehr als  500 000 Euro Steuergeldern, die anderweitig besser angelegt wären. Vielleicht sogar zum Schuldenabbau?

Die entscheidende Ratssitzung war wirklich interessant. Da nötigte der neue Pächter, verkündet durch den Bürgermeister, den Rat zu einer Entscheidung, um so den durchaus klugen Antrag des Herrn Golabeck auf Vertagung zu unterlaufen. Da wird vom Kämmerer  an den Glauben in die Zukunft appelliert. Den haben die meisten Bürger bereits verloren. Der Herr Dr. Pohlmann freut sich über den neuen Pächter und fordert ganz ohne Scham, zum Boykott der restlichen Gaststätten auf. Alle sollen gefälligst in den neuen Ratskeller gehen. Bei SPD und FDP sprechen sich die Fraktionsführungen zwar gegen die Geldverschwendung aus, aber oh Wunder, Teile ihrer eigenen Truppen folgen ihren nicht.

Dass dann die Grünen mit ihrem geballten gastronomischen Fachwissen dem neuen Pächter ein „außerordentlich professionelles Konzept“ bescheinigen, ist dann schon fast peinlich. Ähnliche Worthülsen haben wir bei dem letzten Pächter auch schon gehört.

Eines fällt immer wieder  auf: Sobald unsere Verwaltungsspitze und Teile des Rates  die Worte Zuschuss, Fördermittel oder Beteiligung hören, setzt bei ihnen verstärkter Speichelfluss ein. Dann fallen hochtrabende Wortschöpfungen, wie „Geld in die Hand nehmen“  (es ist ja nicht das eigene) oder  „ das sind Zukunftsinvestitionen“ (andere nennen es  Zukunftsverschuldung)

Ob es der Kirchplatz von St Nicolai war, oder die LED-Beleuchtung, oder irgendwelche unnütze Gutachten, oder jetzt der Ratskeller, sobald von zusätzlichen Geldern die Rede war, wurde „Geld in die Hand genommen“ und kräftig in die „Zukunft investiert“.

Vermutlich wird sich diese Geldverschwendung erst dann ändern, wenn jedes Ratsmitglied persönlich haftbar gemacht werden kann.

Zum Ratskeller noch ein Wort: „ Wenn Du merkst, du reitest ein totes Pferd, steige  ab. Ein neuer Jockey macht das Tier auch nicht wieder lebendig.“

 

Fritz Niebuhr

Wahmbecker Pfad 26

32657 Lemgo