Leserbriefe

Leserbrief: Armes Lemgo!

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Was ist denn nur los mit den Lemgoer Stadtvätern/-müttern? Da flanieren sie zum Beispiel in ihrem Urlaub auf einer Promenade von Gran Canaria und erleben richtiges Urlaubsfeeling. Sie fühlen sich pudelwohl, auch angesichts des spontanen und quirligen Miteinanders der unterschiedlichen Angebote und der spontanen Gastronomie. Wenn sie aber in Lemgo durch die Mittelstraße laufen, dann "stolpern" sie über Werbeträger und nicht angemeldete Auslagen. Was im Urlaub Urlaubsqualität ausmacht, veranlasst sie in der Heimatstadt zu "arbeits- und kontrollintensivem" Handeln. So viel Bürokratie tut einfach weh!

Ja, wo sind wir denn eigentlich? Doch nicht etwa in einer boomenden und von Besuchern (oder gar Einheimischen) überschwemmten Touristenmetropole? Nein, wir sind in Lemgo, wo seit Jahren Leerstände durch Billigketten (müssen auch sein) und Ramschanbieter ausgeglichen werden. Ein Qualitätsladen nach dem anderen macht dicht: Steinbach, Leffers, Becker, Bräuer, Weege, um nur einige zu nennen, haben doch nicht nur aus persönlichen Gründen aufgegeben. Ja nicht einmal Weltbild kann sich halten, nachdem ein großer Konkurrent seine Grabbeltische vor den Laden stellt.

Und dann kommt da jemand daher und will mit seinem Zollstock einem alt-eingesessenen, Lemgo treuen und geachteten Obst- und Gemüsehändler eine spontane, zusätzliche Präsentation von besonders frischem Obst des Tages verwehren (weil er sie nicht mehr anmelden konnte). Habt Ihr nichts Besseres zu tun, als den angeblich "über Nacht gewachsenen Biergarten" (wahrlich eine Rarität in der Mittelstraße) auch wieder zurück zu stutzen? Was ist das für ein bürgerfernes Gehabe? Und, dafür kassiert man dann auch noch Gebühren und Strafzölle?

Wenn man das hört und liest, dann kann man nur den Eindruck gewinnen, die Stadt will lediglich abkassieren. Das Argument: "werblichen Wildwuchs in der historischen Innenstadt verhindern" kann doch nur als Feigenblatt-Alibi interpretiert werden. Man denke in diesem Zusammenhang nur an die künftigen Parkgebühren im neu entstehenden, in dieser Form gar nicht erforderlichen Parkhaus Wüste. Und dann noch gleich Gebühren hinter dem Finanzamt erheben? Das zeugt von echtem Wildwuchs, und zwar im Geldeinnehmen! Ganz abgesehen von der abscheulichen Festungsarchitektur des Parkhauses. Ob die wohl der historischen Innenstadt gerecht wird?

Finden die Verantwortlichen der Stadt denn keine anderen Wege, Lemgo attraktiv und l(i)ebenswert zu machen? Es gäbe so viele Möglichkeiten! Vielleicht müssen mal neue Köpfe an die Schaltstellen, oder einfach mal woanders hingucken? Für mich bedeutet die neue Gestaltungssatzung jedenfalls nur beschämenden Rückschritt bei ziemlich trüben Aussichten. Armes Lemgo!

Gunter Voigt
Brautschatztwete 14
32657 Lemgo