Lippische Wochenschau:"Contra Parteiabhängigkeit und Politikverdrossenheit"

Ist Lemgo bereit für eine Veränderung?

Wolfgang SiewekeLemgo (ti). Politikverdrossenheit heißt das Zauberwort, mit dem Bürgermeisterkandidat Wolfgang Sieweke die Stimmen und Herzen der Lemgoer Bevölkerung zu erobern hofft. In seiner Rede zur Bürgermeisterkandidatur betonte er: „Wir wollen Unabhängigkeit von den Parteien demonstrieren“, verbunden mit dem Vorwurf, dass an der jetzigen Politikverdrossenheit der Bevölkerung der amtierende CDU-Bürgermeister Dr. Reiner Austermann nicht unschuldig sei. Die Wählergemeinschaft „Bürger für Lemgo“ hatte bereits Ende 2008 Wolfgang Sieweke zum Bürgermeisterkandidaten nominiert. Sieweke: „Neben Austermann und Gegenkandidat Golabeck muss es eine Alternative geben!“ Ein Bürgermeister sei allen Bürgern und nicht nur einer Partei verpflichtet.

Die Ratssitzungen, so der Bürgermeisterkandidat, würden mehr und mehr zur Show und reine Selbstdarstellung verkommen. Unterstützt wurde Sieweke vom Vorsitzenden der Wählergemeinschaft Bernd von Nordheim: „Lemgo braucht als Alternative, eine Politik von Bürgern und mit Bürgern.“ Bernd von Nordheim sieht in der Kommunalwahl eine riesige Chance und Sieweke ist sicher: „Lemgo will eine Veränderung!“ Große Sorge bereitet ihm die Verschuldung der Alten Hansestadt. „Notwendiges Sparen und sinnvolles, bedachtes Investieren muss angesagt sein“, so Sieweke. Er räumt ein, dass es utopisch sei, die 100 Millionen Euro Schulden in den nächsten Jahren abbauen zu können. Aber zumindest einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, sei ihm wichtig, um die politische Gestaltungskraft der Stadt Lemgo nicht zu verlieren. Der Schuldenabbau in diesen finanziell schwierigen Zeiten ist sicherlich ein schweres Unterfangen, aber dies müsse einfach – auch im Interesse der nachfolgenden Generationen – gelingen.

Das Interview mit Bürgermeisterkandidat Wolfgang Sieweke:

LW: Herr Sieweke, Sie sind 58 Jahre alt, verheiratet und haben einen Sohn. Was ist denn Ihr Lieblingsessen?
Sieweke: Grünkohl mit Kohlwurst.

LW: Wer ist Ihr Vorbild?
Sieweke: Heinrich Drake – weil er seine Vorstellungen, was wohl das Beste für Lippe sei mit Weitsicht konsequent durchgesetzt hat und dafür sorgte, dass die Region Lippe zu einem wirtschaftlich, kulturell und sozial bedeutsamen Faktor in Deutschland geworden ist.

LW: Was Ihr Wahlkampfziel? Oberstes Leitziel für Lemgo?
Sieweke: Mein Motto ist: Gemeinsam für Lemgo! Mein Ziel ist, über alle Parteigrenzen hinaus und ohne Parteizwänge die Geschicke von Rat und Verwaltung leiten zu können. Nur gemeinsam können die Arbeitsschwerpunkte der nächsten Jahre „Haushaltskonsolidierung“, „Wirtschaft“, „Stadtentwicklung“, „Bildung“ und nicht zuletzt die „Familie“ auf den richtigen Weg gebracht werden.

LW: Mit wem könnten Sie sich eine Kooperation vorstellen und warum?
Sieweke: Als Wählergemeinschaft Bürger für Lemgo (BfL) haben wir uns auf die Fahnen geschrieben: „Weg vom Koalitionsklüngel“. Bürgernahe und transparente Sachpolitik muss im Vordergrund stehen“. Als Bürgermeisterkandidat habe ich das Ziel, Bürgermeister für alle Bürgerinnen und Bürger dieser lebens- und liebenswerten Stadt zu werden. Ich kann mir nicht nur vorstellen, mit allen Parteien zu kooperieren, ich sehe es vielmehr als meine politische Pflicht an, den Dialog mit allen zu suchen.

LW: Haben Sie Haustiere?
Sieweke: Ich hätte gern wieder eine Katze. LW: Wie lange sind Sie als „Bürger für Lemgo“ aktiv? Sieweke: Aktiv bin ich seit dem 22. März 2007, als die Vereinbarung zur Gründung der Wählergemeinschaft in der Schlossscheune in Brake unterschrieben wurde.

LW: Was hat Sie veranlasst in dieser Weise aktiv zu werden?
Sieweke: Ich bin mir sicher, nicht nur bei mir sitzt der Frust noch tief über das Vorgehen von CDU und den Grünen bei der Nachfolgeregelung für den Kämmererposten in der Stadtverwaltung sowie die Ausschreibung und Besetzung der 2. Beigeordnetenstelle im Herbst 2006. Hinzu kam die Kenntnis darüber, wie die Politik mit einigen Bürgeranliegen umgegangen ist. Damals habe ich mir gesagt: „Wenn sich die Politik so vom Bürger entfernt, muss ich als Bürger eben selbst Verantwortung übernehmen“.

LW: Insider-Tipp für den Wahlkampf: Wer wird Ihrer Meinung nach gewinnen?
Sieweke: Ich bin mir sicher, dass spätestens am 30.08.2009, dem Tag der Wahl die etablierten Parteien erkennen, dass mit dem Einzug der „BfL“ ins Rathaus dort eine andere politische Kultur einziehen wird. Insofern denke ich, dass die Lemgoer Bürgerinnen und Bürger die Gewinner dieser Kommunalwahl 2009 sein werden.

©  Lippische Wochenschau vom 07.05.2009